Für den Durchblick im Label-Dschungel

    oder

    Akkreditierung
    Akkreditierung bedeutet die formelle Anerkennung der fachlichen und organisatorischen Kompetenz einer Stelle, eine bestimmte Leistung zu erbringen. Sie ist eine vertrauensbildende Massnahme, die es Behörden, Händlern oder Konsumenten erlaubt zu beurteilen, ob Zertifizierungsstellen bestimmte Aufgaben mit der geforderten Zuverlässigkeit ausführen können.
    In der Schweiz ist die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS) zuständig.

    Business-to-Business-Label
    Die Bezeichnung business-to-business wird allgemein für Beziehungen zwischen mindestens zwei Unternehmen benutzt; dies im Gegensatz zu Beziehungen zwischen Unternehmen und anderen Gruppen, wie beispielsweise zwischen Unternehmen und Konsumenten (Business-to-Consumer), Mitarbeitern oder der öffentlichen Verwaltung. Labels, die besonders engagierte Unternehmen auszeichnen, werden als Busines-to-Business-Labels bezeichnet. In manchen Fällen sind solche Labels auch auf dem Produkt sichtbar. Als Synonym wird auch der Begriff «Initiative» benutzt.
    Beispiele für Business-to-Business-Labels: Business Social Compliance Initiative Code of Conduct BSCI, Global G.A.P., Roundtable on sustainable palm oil RSPO

    Clean-Label (Pseudo-Label)
    Clean-Labels zeichnen verarbeitete Produkte aus, bei welchen auf Inhaltsstoffe mit E-Nummern verzichtet wird und diese durch andere Stoffe ersetzt werden. In vielen Fällen handelt es sich hier um reine Marketingstrategien der Lebensmittelindustrie. Künstliche Stoffe werden meist durch andere Zutaten ersetzt, die eine ähnliche Wirkung haben, jedoch von Gesetzes wegen nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen. Als Synonym wird auch der Begriff Pseudo-Label verwendet.
    Beispiele für Clean-Labels sind Bezeichnungen wie «ohne Zusatzstoffe», «keine Konservierungsstoffe» oder «100% natürlich».

    Deklaration
    Eine Deklaration geht vom fertigen Produkt aus und hebt ausgewählte Produkteigenschaften mit einem Wort- oder Bildzeichen hervor. Somit liegen einer Deklaration keine Kriterien zugrunde, die bei der Herstellung oder Verarbeitung erfüllt werden müssen. Kontrolliert werden muss lediglich, dass die Einteilung der Produkte aufgrund der Produkteigenschaften korrekt erfolgt. Deklarationen können staatlich vorschrieben sein und auf einer gesetzlichen Grundlage beruhen oder auf freiwilliger Basis eingeführt werden.
    Beispiele für Deklarationen: Coop By-Air, Energieetikette

    Fairer Handel
    «Fair trade» steht für Gerechtigkeit im internationalen Handel. Es ist eine Strategie zur Armutsbekämpfung. Bauern in Ländern des Südens erhalten Marktzugang zum Norden und können mit Hilfe von festgelegten Mindestpreisen oder Fairtrade-Prämien ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen verbessern. Ziel ist es, langfristige und möglichst direkte Handelsbeziehungen zu schaffen und die sozialen Rechte der Produzenten und Arbeiter zu sichern.

    Glaubwürdigkeit
    Ein Label gilt als glaubwürdig, wenn Informationen über dessen Kriterien und das Labelsystem offengelegt und frei zugänglich sind und wenn die Label-Anforderungen zusammen mit verschiedenen Interessenvertretern entwickelt wurden. Zudem wird erwartet, dass die Einhaltung der Kriterien von einer unabhängigen Stelle kontrolliert wird und danach eine Zertifizierung stattfindet.

    Gütesiegel
    Gütesiegel basieren auf genau definierten Kriterien, die in einem partizipativen Prozess zusammengetragen wurden und regelmässig überarbeitet werden. Diese Kriterien bilden die Grundlage für die Herstellung und Verarbeitung eines Produktes, das Anbieten einer Dienstleistung oder den Aufbau eines Managementsystems. Im Idealfall werden damit alle relevanten Prozesse in der Herstellungskette abgedeckt. Die Einhaltung der Kriterien wird regelmässig durch eine unabhängige, akkreditierte Kontrollstelle überprüft. Es gibt Gütesiegel mit und ohne Zertifizierung.

    Kontrolle
    Kontrollen werden von Kontrollstellen durchgeführt und garantieren, dass die zwischen Labelinhaber und Lizenznehmer abgemachten Kriterien auch eingehalten werden. Im Idealfall schliesst die Kontrolle alle Schritte der Wertschöpfungskette mit ein. Die Unabhängigkeit der Kontrollen wird durch die Akkreditierung der Kontrollstelle sowie durch die finanzielle Unabhängigkeit der Partner (Produzent und nicht Labelinhaber bezahlt für die Kontrolle) gewährleistet. Kontrollen können einmalig, in regelmässigen Intervallen, angemeldet oder unangemeldet stattfinden.

    Label
    Der Überbegriff Label wird für Zeichen genutzt, die auf Produkten sichtbar sind oder für Dienstleistungen und Managementsysteme vergeben werden. Labels sind marktwirtschaftliche Instrumente, die auf bestimmte Eigenschaften oder besondere Qualitäten von Produkten und Dienstleistungen hinweisen.

    Labelinhaber
    Labelinhaber ist die Trägerschaft, die ein Label «erfindet» und besitzt. Sie legt die Kriterien fest und vergibt – manchmal über eine spezielle Vergabestelle – die Lizenzen. Labelinhaber können Firmen, Organisationen, Vereine oder Staaten sein.

    Labelsystem
    Ein Labelsystem regelt die Vergabe des Labels. Es definiert die Rechte und Pflichten des Labelinhabers und des Lizenznehmers und legt fest, wie die Überprüfung der aufgestellten Kriterien abläuft. Dies schliesst die Intervalle der Kontrollen und Zertifizierungen sowie die zuständigen Institutionen mit ein.

    Lizenznehmer
    Der Lizenznehmer erhält vom Labelinhaber die Erlaubnis, das Label zu nutzen. Lizenznehmer können alle Teilnehmer einer Produktekette sein – Produzenten, Verarbeiter und Händler. In der Regel bezahlen die Lizenznehmer für die Durchführung der Kontrolle und Zertifizierung.

    Marke
    Eine Marke ist ein geschütztes Kennzeichen, mit dem ein Unternehmen seine Waren oder Dienstleistungen von solchen anderer Unternehmen unterscheidet. Grundsätzlich können alle grafisch darstellbaren Zeichen Marken im Sinn des Gesetzes sein: Wörter (z.B. Victorinox), Buchstabenkombinationen (z.B. ABB), Zahlenkombinationen (z.B. 501), bildliche Darstellungen (z.B. SBB-Logo) etc.. In der Schweiz ist das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum für den Schutz der Marken zuständig.

    Multi-Stakeholder-Prozess
    Im Kontext der Labels bedeutet ein Multi-Stakeholder-Prozess den Einbezug mehrerer Interessengruppen bei der Definition und Weiterentwicklung der Label-Anforderungen. Somit wird mehr Know-how zu komplexen Fragen gebündelt, die nicht nur durch eine Interessengruppe alleine beantwortet werden können, und es werden tragbare Lösungen erarbeitet.

    Norm
    Eine Norm ist ein Dokument, das die charakteristischen Eigenschaften und Merkmale eines Produkts, eines Prozesses oder einer Dienstleistung beschreibt. Eine Norm ist nicht das Werk einer einzelnen Interessengruppe, sondern basiert auf dem Konsens verschiedener Akteure. Im Gegensatz zu behördlich erlassenen Vorschriften sind Erarbeitung und Anwendung von Normen grundsätzlich freiwillig.

    Piktogramm
    Ein Piktogramm ist ein Symbol, das eine Information durch vereinfachte grafische Darstellung vermittelt. Es liefert beispielsweise Hinweise auf ein bestimmtes erwünschtes Verhalten (z.B. Entsorgungspiktogramme).

    Soziallabels
    Soziallabels zeichnen Produkte aus, bei deren Herstellung die am Produktionsprozess Beteiligten von verbesserten Arbeits- und Lohnbedingungen profitieren oder bei denen ein Teil des Kaufpreises zur Finanzierung von Sozialprogrammen in den Produktionsländern verwendet wird (z.B. Max Havelaar).

    Transparenz
    Transparenz bedeutet im Kontext der Labels, dass der Mehrwert, welcher das Label verspricht, auch tatsächlich erbracht und belegt wird. Die dafür notwendigen Informationen müssen frei zugänglich sein. Des Weiteren ist es wichtig, dass bereits bei der Formulierung der Kriterien transparent gearbeitet wird und diese nicht durch den Labelinhaber im Alleingang erstellt werden. Vorbildlich ist ein Multi-Stakeholder-Prozess.

    Umweltlabels
    Umweltlabels zeichnen Produkte aus, die eine geringere Umweltbelastung verursachen als vergleichbare Produkte. Als Synonym wird auch der Begriff Ökolabel verwendet.
    Beispiele für Umweltlabels: Bio Knospe, Der blaue Engel.

    Umweltmanagementsystem
    Ein Umweltmanagementsystem legt die Zuständigkeiten, Verhaltensweisen, Abläufe und Vorgaben zur Umsetzung der betrieblichen Umweltpolitik einer Organisation strukturiert fest. Es koordiniert und steuert umweltrelevante Aktivitäten eines Unternehmens, reduziert die Umwelteinwirkungen des Unternehmens und garantiert somit langfristig den Unternehmenserfolg. Es gibt Labels, welche auf Umweltmanagementsystemen basieren.
    Mindestanforderungen für Umweltmanagementsysteme werden meistens durch die Norm ISO 14001 oder die EMAS-Verordnung definiert.

    Vergabestelle
    Die Vergabestelle ist diejenige Organisation, welche die Lizenz für ein Label im Auftrag des Labelinhabers an die Lizenznehmer vergibt. Oft sind Labelinhaber und Vergabestelle identisch. Bei internationalen Labels gibt es beispielsweise nationale Organisationen, welche mit der Vergabe beauftragt sind.

    Zertifizierung
    Eine Zertifizierung ist ein Verfahren, mit dessen Hilfe die Erfüllung bestimmter Kriterien für Produkte oder Dienstleistungen nachgewiesen werden kann. Bei Labels mit einer Zertifizierung wird das sogenannte «Vier-Augen-Prinzip» eingehalten. Die Ergebnisse einer Kontrolle werden nochmals durch eine unabhängige Stelle überprüft. Oftmals handelt es sich bei der Zertifizierungsstelle um die gleiche Institution, die auch die Kontrolle durchgeführt hat, es sind jedoch verschiedene Fachpersonen involviert. Es gibt Zertifizierungsstellen für Produkte, Kontrollpersonen und Managementsysteme.

     

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